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Manifester und latenter Bildungsbedarf

Manifest nennt man einen Bildungsbedarf, der im Unternehmen bekannt ist und konkret formuliert werden kann. Es besteht eine gezielte Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen. Latent vorhanden ist ein Bildungsbedarf dann, wenn er nicht als Nachfrage nach Qualifikationen in Erscheinung tritt, sondern als Beratungsbedarf, weil sich bestimmte Probleme im Unternehmen abzeichnen. Eine Befragung im Rahmen des Projektes IMODE im Jahr 2006 bei 112 Unternehmen ermittelte, welche Probleme Anzeichen für einen Qualifizierungsbedarf liefern: Die häufigsten Indikatoren waren Reklamationen, Fehler und mangelnde Flexibilität.

Ziel einer Qualifizierungsbedarfserhebung ist es, den Qualifizierungsbedarf zu erkennen, solange er noch nicht manifest geworden ist. In diesem Stadium ist er noch versteckt (=latent) und wird weder von Mitarbeitern noch von der Unternehmensleitung als solcher erkannt.

Beispiel für manifesten Qualifizierungsbedarf:
Ein Unternehmen plant, seine Office-Software innerhalb der nächsten vier Monate auf eine neue Version aufzurüsten. Führungskräfte und Mitarbeiter wissen, dass sie hierfür neue Fähigkeiten und Kenntnisse benötigen, die sie in einer Schulung erwerben müssen. Die Qualifizierungsbedarfsanalyse ermittelt zunächst die vorhandenen Fertigkeiten und unterbreitet anschließend bedarfsgerechte Vorschläge für die Lerninhalte und Lernmethoden zum Erwerb der noch fehlenden Qualifikationen.

Beispiel für latenten Qualifizierungsbedarf:
Ein Unternehmen ist mit einer wachsenden Zahl von Kundenreklamationen konfrontiert, zugleich erhöhen sich die Krankenstände der Belegschaft. Zu diesem Zeitpunkt ist es zwar noch zu früh, eine Qualifizierungsbedarfsanalyse durchzuführen, aber es sollte untersucht werden, ob die Phänomene möglicherweise auf Qualifikationsdefiziten der Mitarbeiter beruhen.

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Indikatoren

Da ein latenter Qualifizierungsbedarf nicht direkt erkannt wird, sind Unternehmen auf geeignete Indikatoren angewiesen, die diesen ans Tageslicht bringen. Mögliche Indikatoren für latent vorhandenen Qualifizierungsbedarf können innerbetriebliche oder außerbetriebliche Faktoren sein.

Jedoch wird sich nicht immer eine eindeutige Grenze zwischen innerbetrieblichen und außerbetrieblichen Faktoren ziehen lassen. Einem Umsatzrückgang im Unternehmen können sowohl inner- als auch außerbetriebliche Einflussfaktoren zu Grunde liegen. Grafik

Weitere Indikatoren für einen latenten Qualifizierungsbedarf können weiche oder harte Faktoren sein. So lassen sich weiche Faktoren, wie z. B. das Betriebsklima oder ein verändertes Kundenverhalten, nur indirekt messen. Hingegen sind harte Faktoren, wie z. B. das Wirtschaftswachstum, gut bezifferbar, sei es als Anzahl oder auch als Geldgröße.

Quelle: Indikatoren-/Faktoren-Matrix, s. Leitfaden für die Bildungspraxis, Bd. 22, S. 14

Wo sind weitere Informationen zu finden?

Herbert Loebe, Eckart Severing (Hrsg.) (2007): Handlungshilfen für Bildungsberater – Bildungsbedarfsanalyse. "Leitfaden für die Bildungspraxis" (f-bb), Band 21. Bielefeld: (Bertelsmann)