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Herausforderung: Qualitätsbildung und Qualitätssicherung

Die Anforderungen an Qualitätsstandards und Qualitätssicherungsmaßnahmen steigen auch bei Bildungsmaßnahmen stetig. Dies betrifft sowohl Personalentwicklungsabteilungen in Unternehmen als auch die Arbeit von Bildungsdienstleistern.

Deshalb soll das Thema Qualitätssicherung hier beleuchtet und Beispiele für die Umsetzung aufgezeigt werden.

Themenübersicht:

Qualitätsentwicklungskreis

Grafik: QualitätsentwicklungskreisErhebungen zur Qualität von Weiterbildung werden oft recht unsystematisch betrieben. Häufig findet lediglich eine Ergebnisbeurteilung statt. Unternehmen neigen teilweise dazu, allein den Veranstaltungsanbieter/Bildungsdienstleister in der Pflicht zu sehen, wenn es um Qualität geht. Das Unternehmen ist Auftraggeber, Kunde des Weiterbildungsveranstalters. Demgemäß hat es mit seinen Erwartungen und Anforderungen Einfluss auf das Handeln des Auftragnehmers. Voraussetzung für einen Einfluss auf die Qualität auf Auftragnehmerseite ist allerdings ein Qualitätsbewusstsein im eigenen Haus. Weil sich Qualität nichts ist, was man einmal hat und abhaken kann, eignet sich ein Kreismodell zur Veranschaulichung des Prozesses der kontinuierlichen Qualitätssicherung.

Quelle: Jörg Knoll: Präzision und Offenheit - Zur Bedeutung eines prozessbezogenen Verständnisses von Qualitätsmanagement erschienen in Wirtschaft und Weiterbildung, Bd. 29, Qualitätssicherung in der betrieblichen Bildung, S. 16

Im Folgenden soll der Schwerpunkt auf Hinweisen zur qualitätssichernden Vorgehensweise in den Phasen der Planung, der Durchführung und der Ergebnisauswertung liegen. Die Betrachtung der Qualität einer Qualifizierung macht deutlich, dass diese Überlegungen bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden müssen.

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Qualitätssicherung in Planung und Durchführung

Qualitätssicherung in der betrieblichen Weiterbildung wird oft gleichgesetzt mit der Bewertung des Erfolgs einer Bildungsmaßnahme. Der Erfolg einer Weiterbildung wird aber schon in der Planungsphase angelegt. Er wird hervorgebracht in der Durchführung und zeigt sich im Ergebnis.

Qualitätssicherung in der Planung bedeutet, dass die Verantwortlichen im Unternehmen schon in der Vorbereitungsphase der Maßnahme klären müssen: In welchen Themen oder Themenfeldern besteht der Qualifizierungsbedarf? Wie sind die möglichen Anbieter einzuschätzen? Welche Qualität verspricht das jeweils angebotene Produkt? Inwiefern kann das Umfeld der Weiterbildungsveranstaltung den Erfolg beeinflussen? Nicht zuletzt sollte die Frage beantwortet werden, anhand welcher Kriterien der Erfolg beurteilt werden kann.

Am Beispiel des Qualifizierungsbedarfs und der Durchführung sei erläutert, was mit der qualitätssichernden Klärung der genannten Fragen gemeint ist:

Qualität in der Planung, bei der Bedarfsbestimmung

Alle oben genannten Punkte zusammengenommen stellen eine Beschreibung der Leistung dar, die von einem Weiterbildungsanbieter erwartet wird: ein Lastenheft. Wie ein Lastenheft gegliedert sein sollte und welche Inhalte den einzelnen Gliederungspunkten zuzuordnen sind, zeigt die Tabelle. 

Qualifizierungsbedarf Angabe des Themenfelds, Beschreibung des Ist- und des Sollzustands. Anzahl und Zusammensetzung der Teilnehmer…
Anbieterqualität Erwünschte Zertifizierungen, Referenzen, Qualifikationen des Trainerpools…
Produktqualität Organisation der Durchführung, Referenzen für eingesetzte Curricula oder Lernsoftware…
Umfeld Beschreibung des Umfelds, Präferenzen für externe oder Inhouse-Seminare, eher selbst organisiert oder dozentenorientiert, Einsatz Neuer Medien, arbeitsplatznahes Lernen…
Erfolgs-/Evaluierungskriterien Vorgaben zur Evaluierung der Weiterbildung, an welchen Erfolgskriterien soll ihre Qualität gemessen werden, Konsequenzen aus der Evaluierung…
Abbildung: "Gliederung eines Lastenhefts für betriebliche Qualifizierungen". Aus Leitfaden für die Bildungspraxis, Bd. 23, Qualitätssicherung betrieblicher Weiterbildung, S. 14 (s. dazu Kasten Weiterführende Informationen)

Ein Lastenheft erfordert zwingend, über die betrieblichen Ziele nachzudenken. Dies schafft die Basis für den Vergleich von Angeboten.

Der Leitfaden für die Bildungspraxis, Bd. 23, dem die obige Darstellung entnommen ist, enthält Erläuterungen zu allen Punkten des Lastenheftes und die ausführliche Mustervorlage eines Lastenheftes. Praktische Beispiele helfen, die Richtung einer Frage zu erkennen. Teile der Mustervorlage, wie z.B. die Punkte zur Darstellung der Produktqualität und die Evaluationskriterien des Ergebnisses, sollen vom Anbieter selbst als Teil seines eigenen Pflichtenhefts ausgefüllt werden.

Qualität in der Durchführung

In Unternehmen herrscht häufig die Ansicht vor, die Qualität der Durchführung sei in erster Linie Sache des Bildungsdienstleisters. Inwiefern der Betrieb Verantwortung dafür trägt, hängt davon ab, wo die Maßnahme stattfindet und welche Lernform der Auftraggeber wählt.

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Qualität im Ergebnis

Evaluierung ist die Prüfung des Weiterbildungsergebnisses. Sie stellt fest, ob die Maßnahmen bzw. das Vorgehen in Planung und Durchführung einer Weiterbildung den erwarteten Erfolg erbracht haben.

Man unterscheidet bei der Bewertung unterschiedliche Ebenen. Durchgesetzt hat sich die Aufteilung in vier 4 Ebenen. Siehe Tabelle 

Level 4 Evaluation auf der Organisationsebene (results)
Level 3 Evaluation des Transfers auf den Arbeitsplatz (behaviour)
Level 2 Evaluation des Lernens (learning)
Level 1 Evaluation der Zufriedenheit (reaction)
Abbildung: "Evaluations-Levels nach Kirkpatrick". Aus Leitfaden für die Bildungspraxis, Bd. 23, Qualitätssicherung betrieblicher Weiterbildung, S. 20  

Zufriedenheitsbögen sind demnach auf Level 1 der Evaluation anzusiedeln. Wichtig ist, dass hier eine differenzierte Abfrage erfolgt, die über eine Gesamteinschätzung (z. B. durch Vergabe einer Gesamtnote) sowie eine Beurteilung des Dozenten hinausgeht und auch Inhalt und Aufbau des Kurses thematisiert. Entscheidend ist, was mit den Auswertungen geschieht. Sieht sie der Auftraggeber? Hier sollte schon in der Planungsphase Klarheit darüber geschaffen werden, dass der Seminaranbieter die Rückmeldebögen dem Auftraggeber zugänglich macht. Außerdem muss klar gesagt werden, dass mit der Zufriedenheit der Teilnehmer noch kein Lernfortschritt nachgewiesen ist.

Der Lernforschritt wird auf Ebene 2 gemessen. Allerdings ist die Messung eines Kenntniszuwachses aufwändig, da ein Zuwachs nur in einem Vergleich zwischen vorher und nachher festgestellt werden kann. Wenn es nicht um Wissen oder Fertigkeiten geht, sondern um den Erwerb von personaler oder sozialer Kompetenz, ist die Zuwachsmessung nicht nur aufwändig sondern mit standardisierten Verfahren kaum zu erreichen. Deshalb empfiehlt es sich hier, gleich auf Ebene 3 den Transfer in die betriebliche Praxis zu prüfen.

Kein Problem damit dürfte bei Teilnehmern einer arbeitsorientierten Weiterbildung bestehen, da hier ja anhand betrieblicher Aufgaben und anhand des Verhaltens im Arbeitsprozess geprüft bzw. die Zielerreichung in der Transferphase festgestellt wird. (Siehe dazu das Kapitel Handlungsorientiert prüfen: Beispiel WAP, Beispiel TBQ).

Im Falle eines herkömmlichen Seminars ohne Verlängerung in die Transferphase (wie beim TBQ-Verfahren) geht es bei der Sicherung von Qualität darum, dass häufig schon praktizierte Verfahren – wie die Arbeitsplatzbeobachtung oder das informelle Gespräch mit dem Mitarbeiter – mehr systematisiert und dokumentiert werden, damit auf diese Weise ein Grundlage für Auswertungen und die Beobachtung längerfristiger Entwicklungen gelegt wird. Wieder kommt es hier schon in der Planungsphase darauf an, sich vom Anbieter Vorschläge über die Art der Evaluation auf Level 3 unterbreiten zu lassen und eindeutige Vereinbarungen zu treffen. (Das Fallbeispiel im Downloadbereich zeigt, welche Möglichkeiten aber auch Grenzen - je nach Qualifikationsthema - für die Feststellung eines erfolgreichen Transfers gegeben sein können)

Weiterbildungsauswertungen auf Level 4 zielen darauf ab, anhand von betrieblichen Kennzahlen die Rentabilität einer Qualifizierungsmaßnahme zu ermitteln. (Siehe dazu das Kapitel Nutzen für das Unternehmen beurteilen).

Wo sind weitere Informationen zu finden?

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