Wissensmanagement
Qualifizieren im Betrieb
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Individuelle Lernerfolge feststellen

Zur Feststellung des individuellen Lernerfolgs muss geprüft werden, inwieweit die persönlich gesetzten Ziele erreicht wurden. Kriterien dafür können sein:

  1. Was hat der Teilnehmer gelernt?
  2. Entspricht das Gelernte den ursprünglich mit der Qualifizierung verfolgten Zielen? Was konnte ggf. darüber hinaus mitgenommen werden?
  3. Kann der Teilnehmer das Gelernte auf seine Aufgaben im Unternehmen übertragen?

Themenübersicht:

Wissenszuwachs feststellen

Wie lässt sich feststellen, ob die Teilnehmenden in einer Qualifizierung neues Wissen erworben haben? Bekanntestes Instrument dafür ist die aus Schule, Ausbildung usw. hinreichend bekannte mündliche bzw. schriftliche Prüfung: Hier wird am Ende einer Bildungsmaßnahme herauszufinden versucht, inwieweit beim Teilnehmer ein Wissenszuwachs zu verzeichnen ist. Standardmäßig wird dazu meist auf die Abfrage von Faktenwissen und die Lösung eingeübter Aufgaben gesetzt. Dies kann jedoch vielfach auch durch „Auswendiglernen“ bewältigt werden. Der Transfer des Gelernten auf unterschiedliche Anwendungsbereiche und die praktische Leistung steht hier noch zu selten im Fokus. Problematisch kann diese Form der Leistungsfeststellung vor allem deshalb sein, weil

  1. sich nicht alle Themen für diese Form der Wissensabfrage eignen,
  2. häufig – gerade bei „weichen“ Themen – keine eindeutigen Lösungen existieren,
  3. eine Einteilung in „Richtig“ oder „Falsch“ oft für eine Bewertung nicht ausreicht,
  4. gerade die Zielgruppe der An- und Ungelernten aufgrund ihrer Voraussetzungen (z. B. negative Schulerfahrungen und Prüfungsängste) Schwierigkeiten damit haben.

Generell ist außerdem festzuhalten, dass eine Prüfung allenfalls etwas darüber aussagt, ob der Lernstoff verstanden wurde, jedoch keine Aussagen darüber zulässt, welche Faktoren zum Erfolg beigetragen oder ihn verhindert haben. Deshalb bietet es sich an andere oder zusätzliche Instrumente heranzuziehen. Am wichtigsten ist dabei sicher die Befragung der Teilnehmenden selbst: dies kann beispielsweise durch einen standardisierten Fragebogen geschehen oder im Rahmen eines leitfadengestützten Gesprächs. Wichtig dabei ist, dass nicht nur die allgemeine Zufriedenheit "abgefragt" wird, sondern gezielt auf die Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen können, eingegangen wird: Inhalte, Dozenten, Methoden, Lernmaterialien, aber auch äußere Rahmenbedingungen wie Räumlichkeiten und Hilfsmittel.

Die Bilanzierung des individuellen Lernerfolgs dient dabei nicht nur der Information der Vor-gesetzten. Die Teilnehmenden selbst machen sich bewusst, was für ihren Lernerfolg ausschlaggebend war und lernen dabei, Bildungsprozesse kritisch zu reflektieren. Dies ermöglicht eine verbesserte Selbststeuerung zukünftiger Lernprozesse.

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Anwendung des Gelernten in der Praxis beurteilen

Letztlich bemisst sich der Erfolg einer beruflichen Qualifizierungsmaßnahme daran, ob sie zur besseren Erledigung der Arbeitsaufgaben beiträgt – wie gut das neu erworbene Wissen also produktiv am Arbeitsplatz angewendet werden kann.

Es gilt aber zu beachten, dass es kaum Bildungsmaßnahmen gibt, die "eins zu eins" am Arbeitsplatz umgesetzt werden können. Im betrieblichen Alltag, unter Zeit- und Kostendruck, kann vielleicht manche Ideallösung, die zuvor erarbeitet wurde, doch nicht angewandt werden und außerdem bietet sich häufig nicht sofort die Möglichkeit, das erworbene Wissen zu testen.

Der Transfer des neu erworbenen Wissens in die betriebliche Praxis muss deshalb geplant werden: Wie, wo und wann kann das Gelernte sinnvoll eingesetzt werden? In einem Gespräch mit dem Weiterbildungsteilnehmer sollte geklärt werden, welche Schritte zur Umsetzung des Gelernten er unternehmen will und welche Unterstützung ggf. vonnöten ist. Die Ergebnisse eines solchen Gesprächs können beispielsweise in Form eines Selbstkontrakts festgehalten werden. Am besten ist es natürlich, wenn der Teilnehmer im Anschluss an die Qualifizierung mit Arbeitsaufgaben konfrontiert wird, die ihm eine Anwendung des Gelernten und den Transfer in die persönliche Arbeitsrealität ermöglichen.

Die Feststellung des Anwendungserfolgs kann häufig erst nach einiger Zeit erfolgen bzw. ist nur langfristig beurteilbar. Beobachtungen am Arbeitsplatz oder Befragungen können die Effekte des neu Erlernten im Betrieb zu Tage fördern.

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